Ethikrichtlinien für sexpositive Veranstaltungen

Ethikrichtlinien für sexpositive Veranstaltungen bilden die Grundlage für Verantwortung, Konsens und Sicherheit auf sexpositive.events.
Sie definieren verbindliche Standards für den Umgang mit Sexualität, Nähe, Machtverhältnissen und Awareness bei Veranstaltungen, Workshops und Bildungsformaten.

Kurz & klar: Was diese Richtlinien bedeuten

Für Eventleitende (Handlungsauftrag)

Wenn du ein Event auf sexpositive.events veröffentlichst, verpflichtest du dich verbindlich:

  • diese Ethikrichtlinien zu kennen und aktiv umzusetzen

  • Konsens und Sicherheit als Leitprinzip durchgängig zu gewährleisten (vor, während, nach dem Event)

  • Rollen, Grenzen, Verantwortlichkeiten und Ansprechpersonen transparent zu benennen

  • Machtgefälle bewusst zu reflektieren und nicht auszunutzen

  • Hinweise auf Grenzverletzungen ernst zu nehmen und kooperativ zu klären

  • bei Bedarf Prozesse anzupassen (Awareness-Struktur, Teambriefing, Kommunikationswege)

Für Teilnehmende (Aufklärung & Hilfe im Beschwerdefall)

Diese Richtlinien sollen dir Orientierung geben:

  • welche Standards du auf sexpositive.events erwarten darfst

  • wie du Grenzen benennen kannst und wie mit Konsens gearbeitet wird

  • welche Optionen du bei Unstimmigkeiten, Grenzverletzungen oder Machtmissbrauch hast

  • welche Wege für Feedback und Beschwerden zur Verfügung stehen (anonym oder direkt)

1. Selbstverständnis & Wertebasis

sexpositive.events versteht sich als Plattform für Bildung, Begegnung und kulturellen Austausch rund um Sexualität, Körper, Beziehungen und Konsens.
Ziel ist es, sexpositive Veranstaltungen sichtbar zu machen, die Verantwortung übernehmen und sich klar an ethischen Richtlinien orientieren.

Unsere Grundwerte:

  • Selbstbestimmung & Konsens

  • Achtsamkeit, Respekt & Verantwortung

  • Transparenz & Machtbewusstsein

  • Schutz vor Grenzverletzungen

  • Diskriminierungssensibilität & Inklusion

  • Gewaltfreie Kommunikation

Alle auf sexpositive.events beworbenen Veranstaltungen und Formate verpflichten sich zur Einhaltung dieser ethischen Grundlagen.

2. Differenzierung der Veranstaltungsformate

Sexpositive Veranstaltungen unterscheiden sich stark in Nähe, Methodik und Verantwortung.
Diese Richtlinien unterscheiden daher bewusst zwischen nicht-körpernahen und körpernahen Formaten.

2.1 Nicht-körpernahe Formate

(z. B. Vorträge, Diskussionsabende, Seminare, Workshops ohne körperliche Praxis)

  • Seminarleitungen und Assistenzen erbringen keine persönliche oder intime Dienstleistung.

  • Begegnungen dienen ausschließlich dem Lern-, Bildungs- und Austauschkontext.

  • Machtgefälle zwischen Leitungen und Teilnehmenden werden aktiv reflektiert und verantwortungsvoll gehandhabt.

Klare ethische Abgrenzung (verbindlich)

Die Einhaltung von Ethikrichtlinien bei Veranstaltungen zu Sexualität ist zentral. Sie bildet die Grundlage für Vertrauen, Sicherheit und Integrität aller Beteiligten.

Daher gilt:

Romantische, sexuelle oder intime Beziehungen zwischen Seminarleitungen/Assistenzen und Teilnehmenden, die im Zusammenhang mit der Veranstaltung entstanden sind, sind für mindestens 6 Monate nach Veranstaltungsende untersagt.

Dies gilt ebenfalls für:

  • private Treffen mit intimer Zielsetzung

  • Online-Kontakt mit sexuellem oder romantischem Fokus

  • Abhängigkeits- oder Machtverhältnisse außerhalb des Events

2.2 Körpernahe Dienstleistungen & Formate

Formate mit körperlicher Nähe (z. B. Körperarbeit, somatische Sexualbildung, tantrische oder sexologische Praxis) unterliegen besonders hohen ethischen Mindeststandards.
Sie tragen eine erhöhte Verantwortung im Umgang mit Nähe, Sexualität und emotionalen Prozessen.

Voraussetzungen:

  • Orientierung an anerkannten Ethik- und Ausbildungsstandards (z. B. EASB, Trusted Bodywork)

  • klare Rollen- und Auftragsklärung

  • transparente Information über Inhalte, Grenzen und Rahmen

  • aktives Konsens-Management vor, während und nach der Veranstaltung

  • Bewusstsein für Macht, Übertragung und emotionale Dynamiken

  • professionelle Distanz auch bei körperlicher Nähe

3. Voraussetzungen für das Bewerben von Veranstaltungen

Die Einhaltung dieser Ethikrichtlinien ist zwingende Voraussetzung, um Events auf sexpositive.events zu veröffentlichen.

Eventanbieter:innen verpflichten sich:

  • diese Richtlinien zu kennen, anzuerkennen und umzusetzen

  • ihr Team (Leitungen, Assistenzen, Awareness-Personen) entsprechend zu informieren

  • Hinweise auf mögliche Verstöße ernst zu nehmen und kooperativ zu klären

4. Konsequenzen bei Nichteinhaltung

Je nach Schwere, Häufigkeit und Umgang mit einem Verstoß können folgende Maßnahmen ergriffen werden:

  • Klärungsgespräch und verbindliche Auflagen

  • temporärer Ausschluss von der Plattform

  • dauerhafter Ausschluss von sexpositive.events

  • öffentliche Distanzierung von bestimmten Formaten

(juristische Prüfung empfohlen)

5. Feedback- & Beschwerdewege für Teilnehmende

Dein klarer Weg, wenn etwas nicht stimmig war

Wenn du Unstimmigkeiten, Druck, Grenzverletzungen oder Machtmissbrauch erlebt oder beobachtet hast, hast du diese Optionen:

Option A: Anonymes Feedback (niedrigschwellig)

  • Du gibst einen anonymen Hinweis ab (ohne Namen/E-Mail-Einsicht).

  • Das gilt als Hinweis, nicht als Beweis.

  • Mehrere Hinweise ergeben ein Gesamtbild und können zu vertiefter Prüfung führen.

Option B: Direkter Kontakt (nicht anonym)

  • Für konkrete Vorfälle oder Gesprächsbedarf.

  • Vertraulich, respektvoll und verantwortungsvoll.

  • Geeignet, wenn du möchtest, dass wir aktiv nachfragen/klären.

Option C: Externe Ansprechstellen (dritte Personen)

Manche Menschen möchten Vorfälle oder Unsicherheiten bewusst außerhalb der Plattform besprechen. Externe Ansprechstellen können dabei unterstützen, Situationen einzuordnen, zu beraten und nächste Schritte abzuwägen.

Aktueller Stand:
Wir befinden uns derzeit im Aufbau eines externen Netzwerks aus unabhängigen Ansprechstellen. Solange dieses Netzwerk noch nicht vollständig etabliert ist, können wir aktuell keine feste externe Stelle benennen.

Was dennoch möglich ist:
Wir laden ausdrücklich öffentlich tätige Personen und Initiativen ein, die im Rahmen ihrer Arbeit Kenntnis von relevanten Vorfällen oder Meldungen im Zusammenhang mit sexpositive.events erhalten (z. B. Psycholog:innen, Beratungsstellen, Hilfsverbände, Vereine oder Awareness-Kollektive), direkt mit uns Kontakt aufzunehmen.

Dies ermöglicht:

  • einen verantwortungsvollen Austausch auf Augenhöhe

  • fachliche Einordnung von Situationen

  • Unterstützung bei der Klärung komplexer Fälle

  • Weiterentwicklung unserer Schutz- und Beschwerdestrukturen

6. Umgang mit Vorfällen & Meldungen (wie wir handeln)

6.1 Anonyme Hinweise

Einzelne anonyme Hinweise gelten als Signal, nicht als Beweis.
Wir suchen das Gespräch mit dem Anbieter, um Prozesse zu reflektieren und strukturelle Verbesserungen zu prüfen.

Ziel:

  • Schutz der Teilnehmenden

  • gleichzeitiger Schutz vor unbegründetem Canceling

6.2 Nicht-anonyme Meldungen

Nicht-anonyme Meldungen werden sehr ernst genommen. Orientierung:

  • Wir glauben dem Empfinden der betroffenen Person.

  • Wir handeln sorgsam, transparent und verantwortungsvoll.

Konsequenzen für Eventleitende erfolgen, wenn:

  • Verstöße gegen diese Richtlinien erkennbar sind

  • Vorwürfe nachvollziehbar belegbar sind

Unabhängig davon gilt: Vorwürfe führen immer zu Gesprächen, Konfrontation und Klärung.

7. Transparenz & Weiterentwicklung

Diese Ethikrichtlinien sind ein lebendiges Dokument.

  • Feedback fließt kontinuierlich in die Weiterentwicklung ein

  • Richtlinien werden regelmäßig überprüft

  • Ziel ist nicht Perfektion, sondern lernende Verantwortung