Was ist Sexpositivität? Die Antwort überrascht viele Menschen

Was ist Sexpositivität?
Viele Menschen denken zuerst: sexpositiv sein heißt, viel Sex zu haben, besonders offen zu sein oder möglichst experimentierfreudig zu leben. Genau das ist aber nur ein Teil von dem, was manche damit verbinden – und nicht die eigentliche Definition.

Die Antwort auf die Frage „Was ist Sexpositivität?“ überrascht deshalb viele:
Sexpositivität bedeutet nicht, auf eine bestimmte Art sexuell sein zu müssen. Es bedeutet auch nicht, dass jede:r kinky, besonders erfahren, ständig lustvoll oder „gut im Bett“ sein sollte.

Sexpositivität ist vor allem eine Wertehaltung. Eine Haltung, die sagt:
Sexualität darf so gelebt werden, wie es für die beteiligten Menschen stimmig ist – solange es selbstgewählt, einvernehmlich und konsensuell geschieht.

Warum die Frage „Was ist Sexpositivität?“ gar nicht banal ist

Mir begegnen immer wieder sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, was Sexpositivität eigentlich bedeutet. Gerade in sexuell offeneren Räumen hört man manchmal sinngemäß:

Das ist verständlich – aber zu kurz gedacht.

Denn der Kern von Sexpositivität ist eine Praxis, nicht die Menge, nicht die Häufigkeit und nicht die Praktik.
Der Kern ist eine Wertehaltung: Wahlfreiheit, Konsens und Respekt.

Was Sexpositivität nicht bedeutet

Sexpositivität bedeutet nicht, dass du:

Ein wirklich sexpositiver Satz ist deshalb:

Es ist schön, wenn Menschen sich frei dafür entscheiden und daran Freude haben – jedoch muss nicht jede:r das so machen.

Genau darin steckt bereits die eigentliche Bedeutung.

Was ist Sexpositivität wirklich?

Sexpositivität heißt:
Du darfst deine Sexualität so leben, wie sie für dich stimmig ist.

Ob du deine Sexualität kinky, vanilla, tantrisch, verspielt, queer, mit BDSM-Anteilen oder ganz ohne sexuelle Praxis lebst:
Solange es selbstgewählt und im Konsens mit allen beteiligten Personen geschieht, ist das sexpositiv.

Dazu gehört auch:

Deshalb gehört auch Asexualität selbstverständlich mit dazu.
Denn Sexpositivität bedeutet nicht: „mehr Sex“.
Sexpositivität bedeutet: freie, bewusste und respektierte Selbstbestimmung.

Sexpositivität ist eine Wertehaltung

Sexpositivität ist nicht nur ein privates Verhalten, sondern auch eine gesellschaftliche Haltung.

Sie beinhaltet, dass wir akzeptieren, dass erwachsene Menschen Sexualität auf unterschiedliche Weise leben. Nicht nur eine Form davon ist „normal“ oder „richtig“. Es gibt nicht die eine legitime Sexualität und daneben lauter Abweichungen. Vielmehr dürfen unterschiedliche Ausdrucksformen nebeneinander existieren.

Dazu können zum Beispiel gehören:

Sexpositivität lädt dazu ein, diese Vielfalt nicht nur zu dulden, sondern als Teil menschlicher Realität zu respektieren.

Der wichtigste Kern: selbstgewählt und im Konsens

Wenn man die Frage „Was ist Sexpositivität?“ auf einen Punkt herunterbrechen möchte, dann diesen:

Sexpositiv ist Sexualität dann, wenn sie selbstgewählt, bewusst und konsensuell gelebt wird.

Das heißt:

Sexpositivität heißt also auch:
Ich darf selbst entscheiden, wie ich Sexualität leben möchte, mit wem, wann, wie oft – und auch, ob überhaupt.

Sexpositivität schützt auch das Nein

Viele denken bei Sexpositivität sofort an Offenheit und Ja-Sagen. Doch ein wirklich sexpositiver Blick schützt auch das Gegenteil:

Sexpositivität bedeutet nicht grenzenlose Verfügbarkeit.
Sexpositivität bedeutet, dass Grenzen sein dürfen und geachtet werden.

Gerade deshalb ist das Thema Konsens so zentral. Mehr dazu bald hier:
<a href=“/was-ist-konsent“>Was ist Konsent?</a>

Und auch dieses Thema knüpft daran an:
<a href=“/warum-ja-heisst-ja-und-nein-heisst-nein-nicht-reicht“>Warum „Ja heißt Ja“ und „Nein heißt Nein“ allein oft nicht reicht</a>

Was Sexnegativität damit zu tun hat

Oft wird erst im Kontrast klar, was sexpositiv eigentlich bedeutet. Viele Menschen wachsen mit sexnegativen Botschaften auf. Zum Beispiel:

Sexnegativität zeigt sich also häufig in Scham, Doppelmoral, Abwertung, Unsichtbarkeit und fehlender Gesprächskultur.

Ein Beispiel ist Altersdiskriminierung: die Vorstellung, Menschen über 50 hätten keine Sexualität mehr. Ein anderes Beispiel ist die unterschiedliche Bewertung sexueller Erfahrungen je nach Geschlecht. Auch Kink-Shaming gehört dazu.

Sexpositivität schaut genau auf solche gesellschaftlichen Muster und versucht, Räume zu schaffen, in denen diese Abwertungen weniger Macht haben.

Zu dem Thema folgen bald eigene Artikel:
<a href=“/was-ist-sexnegativitaet“>Was ist Sexnegativität?</a>
<a href=“/sexnegativitaet-im-leben-minimieren“>Was kann ich tun, um Sexnegativität in meinem Leben zu minimieren?</a>

Warum Sexpositivität für Menschen so entlastend sein kann

Viele Menschen haben niemanden, mit dem sie offen über Sexualität sprechen können. Das führt oft zu Unsicherheit, Scham oder dem Gefühl, mit den eigenen Fragen allein zu sein.

Eine sexpositive Haltung verändert das. Sie macht es leichter,

Sexualität ist für viele Menschen ein wichtiger Teil des Lebens. Und wie stark dieses Bedürfnis ausgeprägt ist, kann sehr verschieden sein: von gar nicht bis sehr stark. Auch das anzuerkennen, ist Teil einer sexpositiven Perspektive.

Was ist sexpositiv im Alltag?

Sexpositivität zeigt sich nicht nur in großen politischen oder gesellschaftlichen Debatten. Sie zeigt sich auch im Kleinen:

Sexpositivität ist also nicht nur eine Meinung über Sex.
Sie ist eine Haltung gegenüber Menschen.

Fazit: Was ist Sexpositivität?

Sexpositivität bedeutet nicht, besonders viel oder besonders wilden Sex zu haben.

Sexpositivität bedeutet:
Menschen dürfen ihre Sexualität so leben, wie es für sie stimmig ist – frei, selbstbestimmt, konsensuell und ohne unnötige Scham oder Abwertung.

Ob kinky oder vanilla.
Ob queer oder hetero.
Ob mit viel Lust, wenig Lust oder gar keiner.
Ob verspielt, zärtlich, klar strukturiert oder gar nicht gelebt:

Sexpositiv ist nicht die Form. Sexpositiv ist die Freiheit, sie selbst zu wählen.